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Netiquette für virtuelle Zusammenarbeit – eine Sketchnote

Wie bringt man eine Netiquette so auf den Punkt, dass sie niemand überliest? Eine einseitige Sketchnote für Online-Meetings und -Schulungen, entstanden während meiner Tätigkeit für die Virtuelle Akademie der Berner Fachhochschule (BFH).

Format
Sketchnote, eine Seite
Auftraggeberin
Virtuelle Akademie, BFH
Meine Rolle
Konzeption & Visualisierung
Lizenz
CC BY

Die Ausgangslage

Eine Netiquette für Online-Meetings und -Schulungen gibt es an fast jeder Institution, meistens als Fliesstext, den niemand liest, bevor er zum ersten Mal im Call sitzt. Gefragt war eine Fassung, die man in Sekunden erfassen kann: beim ersten Blick auf den Bildschirm, nicht erst nach dem dritten Absatz.

Sketchnote: Netiquette für virtuelle Zusammenarbeit. Eine Person sitzt vor dem Bildschirm, auf diesem sind neben anderen Sitzungsteilnehmenden die Icons für die Interaktion zu erkennen: Chat, Meldefunktion, Mikro, Kamera, Bildschirm teilen sowie Einstellungen für Hintergrund und Audio. Rechts unten ist eine Checkliste, die vorab genutzt werden kann, die Punkte sind: Lärmquelle reduziert, adäquate Kleidung, Nahrungsaufnahme beendet, Ablenkung minimiert und Internetverbindung stabil bzw. Hotspot als Plan B. Mit grauer Farbe in den Hintergrund gesetzt sind ein Bier, Handy, Pizza, Stapel von Papier, Musikboxen, ein Staubsauger und Whatsapp sowie Social Media Apps. Vergrössern
Sketchnote „Netiquette für virtuelle Zusammenarbeit" · visualisiert von Evelyn Kraft · CC BY

Der Aufbau: zwei Blicke, zwei Zeitpunkte

Die Sketchnote ist bewusst in zwei Blöcke geteilt, die zwei unterschiedliche Momente im Meeting-Alltag ansprechen. Der grosse Bildschirm links zeigt, was während des Meetings gilt: die zentralen Funktionen zum aktiv Mitmachen (über Chat und Handzeichen, Bildschirm teilen, Audio und Kamera), sowie Einstellungen zu Audio und Hintergrund. Der gelbe Kasten rechts ist eine Checkliste für davor: fünf Fragen, die man sich stellt, bevor man sich einwählt.

Icons statt Sätze

Jede Regel ist als Icon dargestellt, nicht als Satz. Wer eine Sprechblase, ein Handzeichen oder ein Kamera-Symbol sieht, muss die Bedeutung nicht erst lesen und verarbeiten, denn sie ist auf einen Blick klar. Nur die Checkliste rechts arbeitet bewusst mit kurzen Fragen statt Icons, weil sie zum aktiven Abhaken einlädt, nicht zum blossen Betrachten.

Warum das so gestaltet ist – die Didaktik dahinter

Auch eine einzelne Grafik ist eine didaktische Entscheidung. Die wichtigsten Prinzipien dahinter:

Weniger lesen, mehr erkennen

Reduktion unnötiger kognitiver Last (Skulmowski & Xu, 2022). Jede Information, die man erst entschlüsseln muss, kostet Kapazität, die eigentlich fürs Verstehen gebraucht würde. Icons statt Fliesstext, klare Gruppierung und ein aufgeräumter Hintergrund sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit bei den Regeln bleibt, nicht beim Entziffern der Regeln.

Visuelle Cues lenken den Blick

Signalisierungsprinzip (Noetel et al., 2022). Farbige Flächen, Icons und eine klare Gruppierung gehören zu den Gestaltungsprinzipien mit dem grössten nachgewiesenen Effekt auf das Lernen. Der gelbe Balken um die Icons und der gelbe Kasten für die Checkliste heben genau die zwei Dinge hervor, die am wichtigsten sind, der Rest wird bewusst in den Hintergrund gerückt.

Vorbereitung als Wenn-dann-Plan

Implementation Intentions (Carrero et al., 2025). Konkrete Wenn-dann-Pläne setzen Vorhaben nachweislich zuverlässiger um als allgemeine Absichten. Die Checkliste rechts übersetzt „Sei vorbereitet" in fünf konkrete, abhakbare Fragen, das erhöht die Chance, dass die Vorbereitung tatsächlich passiert, statt eine gute Absicht zu bleiben.

Kamera- und Verhaltensnormen sind kein Nebenschauplatz

Videoconferencing Fatigue (Beyea et al., 2024). Klare Regeln in Online-Veranstaltungen beeinflussen nachweislich, wie erschöpfend sie erlebt werden. Eine explizite, sichtbare Netiquette macht diese Normen für alle gleich klar, statt sie dem Zufall zu überlassen.

Eine gute Sketchnote wird nicht gelesen und dann vergessen, sie hängt im Kopf, weil man sie in drei Sekunden erfasst hat.

Wozu das Bild eingesetzt wird

Die Sketchnote darf an der BFH für Online-Schulungen und -Meetings als Einstiegsfolie oder Aushang genutzt werden; als schneller, gemeinsamer Bezugspunkt, auf den man im Gespräch zurückgreifen kann, statt jedes Mal neu zu erklären, was von allen erwartet wird.

Grundlagen

Skulmowski, A., & Xu, K. M. (2022). Understanding cognitive load in digital and online learning: A new perspective on extraneous cognitive load. Educational Psychology Review, 34(1), 171–196.

Noetel, M., Griffith, S., Delaney, O., Harris, N. R., Sanders, T., Parker, P., del Pozo Cruz, B., & Lonsdale, C. (2022). Multimedia design for learning: An overview of reviews with meta-meta-analysis. Review of Educational Research, 92(3), 413–454.

Carrero, I., Valor, C., Redondo, R., & Vilà, I. (2025). A meta-analysis of the effectiveness of implementation intentions for pro-environmental behavior adoption. Sustainable Production and Consumption, 55, 63–75.

Beyea, D., Leith, A. P., et al. (2024). Zoom fatigue in review: A meta-analytical examination of videoconferencing fatigue's antecedents. Computers in Human Behavior Reports.

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